Barrierefreie Informationstechnik
Im Folgenden werden die wichtigsten Anforderungen der BITV mit Kommentaren gelistet. Aufgeführt sind die Anforderungen der Priorität 1, welche unbedingt erfüllt werden müssen.
http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/bitv/htmltree.html
Redundante Inhalte
Für jeden Audio- oder visuellen Inhalt sind geeignete äquivalente Inhalte bereitzustellen, die den gleichen Zweck oder die gleiche Funktion wie der originäre Inhalt erfüllen.
- Für jedes Nicht-Text-Element ist ein äquivalenter Text bereitzustellen.
Jedem inhaltstragenden Bild ist ein bildbeschreibendes alt-Attribut zu geben. Für Filme, Audiodateien und Animationen müssen beschreibende Texte zusätzlich als alternativer Zugang zu deren Inhalt angegeben werden. - Für jede aktive Region einer serverseitigen Imagemap sind redundante Texthyperlinks bereitzustellen.
Von serverseitigen Imagemaps ist ohnehin abzuraten. Werden sie dennoch eingesetzt, sollten zusätzlich gewöhnliche Links mit aussagekräftigen Link-Beschreibungen angegeben werden. - Für Multimedia-Präsentationen ist eine Audio-Beschreibung der wichtigen Informationen der Videospur bereitzustellen.
- Für jede zeitgesteuerte Multimedia-Präsentation (insbesondere Film oder Animation) sind äquivalente Alternativen (z.B. Untertitel oder Audiobeschreibungen der Videospur) mit der Präsentation zu synchronisieren.
Farbigkeit
Texte und Grafiken müssen auch dann verständlich sein, wenn sie ohne Farbe betrachtet werden.
- Alle mit Farbe dargestellten Informationen müssen auch ohne Farbe verfügbar sein, z.B. durch den Kontext oder die hierfür vorgesehenen Elemente der verwendeten Markup-Sprache.
So müssen z.B. Links entweder in klar abgetrennten Navigationsbereichen oder mit Icons oder durch Unterstreichung gekennzeichnet werden. - Bilder sind so zu gestalten, dass die Kombinationen aus Vordergrund- und Hintergrundfarbe auf einem Schwarz-Weiß-Bildschirm und bei der Betrachtung durch Menschen mit Farbfehlsichtigkeiten ausreichend kontrastieren.
Diese Anforderung richtet sich an die Bildauswahl und -bearbeitung durch die Redaktion. Ein Test durch entsprechende Software z.B. Vischeck) oder einen fehlsichtigen Menschen ist hilfreich.
Markup-Sprachen
Markup-Sprachen (insbesondere HTML) und Stylesheets sind entsprechend ihrer Spezifikationen und formalen Definitionen zu verwenden.
- Soweit eine angemessene Markup-Sprache existiert, ist diese anstelle von Bildern zu verwenden, um Informationen darzustellen.
Wichtig ist, dass keine Texte in Bildern stehen. Diagramme und Ähnliches können durch ausführlichen zusätzlichen Text beschrieben werden. - Mittels Markup-Sprachen geschaffene Dokumente sind so zu erstellen und zu deklarieren, dass sie gegen veröffentlichte formale Grammatiken validieren.
Das W3C bietet entsprechende Validatoren an. Es muss darauf geachtet werden, dass ein dem DOCTYPE entsprechendes DTD angegeben ist. - Es sind Stylesheets zu verwenden, um die Text- und Bildgestaltung sowie die Präsentation von mittels Markup-Sprachen geschaffenen Dokumenten zu beeinflussen.
Dies trennt das Aussehen einer Seite weitgehend von der Strukturierung und den Inhalten. - Es sind relative anstelle von absoluten Einheiten in den Attributwerten der verwendeten Markup-Sprache und den Stylesheet-Property-Werten zu verwenden.
Geeignete elative Einheiten sind zum Beispiel % und em - ungeeignet dagegen sind Werte in pt und px. - Zur Darstellung der Struktur von mittels Markup-Sprachen geschaffenen Dokumenten sind Überschriften-Elemente zu verwenden.
Jede Seite sollte eine Überschrift tragen. Überschriften müssen mit <h1> bis <h6> ausgezeichnet werden. - Zur Darstellung von Listen und Listenelementen sind die hierfür vorgesehenen Elemente der verwendeten Markup-Sprache zu verwenden.
- Zitate sind mittels der hierfür vorgesehenen Elemente der verwendeten Markup-Sprache zu kennzeichnen.
Natürliche Sprachen
Sprachliche Besonderheiten wie Wechsel der Sprache oder Abkürzungen sind erkennbar zu machen.
- Wechsel und Änderungen der vorherrschend verwendeten natürlichen Sprache sind kenntlich zu machen.
Dies bezieht sich auf den Wechsel in eine fremdsprachige Version einer Seite. Angezeigt wird ein Wechsel durch das lang-Attribut im entsprechenden Tag mit einem ISO-Sprachkürzel als Wert.
Tabellen
Tabellen sind mittels der vorgesehenen Elemente der verwendeten Markup-Sprache zu beschreiben und in der Regel nur zur Darstellung tabellarischer Daten zu verwenden.
- In Tabellen, die tabellarische Daten darstellen, sind die Zeilen- und Spaltenüberschriften mittels der vorgesehenen Elemente der verwendeten Markup-Sprache zu kennzeichnen.
Der HTML Tag <th> muss entsprechend verwendet werden. - Soweit Tabellen, die tabellarische Daten darstellen, zwei oder mehr Ebenen von Zeilen- und Spaltenüberschriften aufweisen, sind mittels der vorgesehenen Elemente der verwendeten Markup-Sprache Datenzellen und Überschriftenzellen einander zuzuordnen.
Hierfür ist das scope-Attribut einzusetzen, sowie die Tags <cols>, <colgroup>, <thead>, <tfoot>, <tbody>. - Tabellen sind nicht für die Text- und Bildgestaltung zu verwenden, soweit sie nicht auch in linearisierter Form dargestellt werden können.
- Soweit Tabellen zur Text- und Bildgestaltung genutzt werden, sind keine der Strukturierung dienenden Elemente der verwendeten Markup-Sprache zur visuellen Formatierung zu verwenden.
Technische Zugänglichkeit
Internetangebote müssen auch dann nutzbar sein, wenn der verwendete Benutzeragent neuere Technologien nicht unterstützt oder diese deaktiviert sind.
- Es muss sichergestellt sein, dass mittels Markup-Sprachen geschaffene Dokumente verwendbar sind, wenn die zugeordneten Stylesheets deaktiviert sind.
Dies ist wichtig, um zum Beipiel für Suchmaschinen, Netscape 4 oder Lynx lesbare Seiten auszuliefern. - Es muss sichergestellt sein, dass Äquivalente für dynamischen Inhalt aktualisiert werden, wenn sich der dynamische Inhalt ändert.
Dies bezieht sich auf Inhalte in statischen Versionen von Sites und dynamische Ticker-Anwendungen. - Es muss sichergestellt sein, dass mittels Markup-Sprachen geschaffene Dokumente verwendbar sind, wenn Scripts, Applets oder andere programmierte Objekte deaktiviert sind.
Bei Verwendung von JavaScript, Macromedia Flash und Java ist besonders zu beachten, dass bei Deaktivierung alternative Inhalte an ihrer Stelle vorhanden sind. - Es muss sichergestellt sein, dass die Eingabebehandlung von Scripts, Applets oder anderen programmierten Objekten vom Eingabegerät unabhängig ist.
Bei Verwendung von JavaScript, Macromedia Flash und Java ist besonders zu beachten, dass diese sowohl mit der Maus als auch mit der Tastatur bedient werden können. - Dynamische Inhalte müssen zugänglich sein. Insoweit dies nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand zu realisieren ist, sind gleichwertige alternative Angebote unter Verzicht auf dynamische Inhalte bereitzustellen.
Zeitgesteuerte Inhalte
Zeitgesteuerte Änderungen des Inhalts müssen durch die Nutzerin/den Nutzer kontrollierbar sein.
- Bildschirmflackern ist zu vermeiden.
- Blinkender Inhalt ist zu vermeiden.
- Bewegung in mittels Markup-Sprachen geschaffenen Dokumenten ist entweder zu vermeiden oder es sind Mechanismen bereitzustellen, die der Nutzerin/dem Nutzer das Einfrieren der Bewegung oder die Änderung des Inhalts ermöglichen.
- Automatische periodische Aktualisierungen in mittels Markup-Sprachen geschaffenen Dokumenten sind zu vermeiden.
- Die Verwendung von Elementen der Markup-Sprache zur automatischen Weiterleitung ist zu vermeiden. Insofern auf eine automatische Weiterleitung nicht verzichtet werden kann, ist der Server entsprechend zu konfigurieren.
Benutzerschnittstellen
Die direkte Zugänglichkeit der in Internetangeboten eingebetteten Benutzerschnittstellen ist sicherzustellen.
- Programmierte Elemente (insbesondere Scripts und Applets) sind so zu gestalten, dass sie entweder direkt zugänglich oder kompatibel mit assistiven Technologien sind.
JavaScript-Funktionen dürfen nur verwendet werden, wenn sie die Zugänglichkeit ohne JavaScript nicht verhindern oder ein alternativer Zugang geboten wird.
Geräteunabhängigkeit
Internetangebote sind so zu gestalten, dass Funktionen unabhängig vom Eingabegerät oder Ausgabegerät nutzbar sind.
- Es sind clientseitige Imagemaps bereitzustellen, es sei denn, die Regionen können mit den verfügbaren geometrischen Formen nicht definiert werden.
Serverseitige Imagemaps werden nicht von allen Clients unterstützt. - Jedes über eine eigene Schnittstelle verfügende Element muss in geräteunabhängiger Weise bedient werden können.
- In Scripts sind logische anstelle von geräteabhängigen Event-Handlern zu spezifizieren.
Assistive Technologien
Die Verwendbarkeit von nicht mehr dem jeweils aktuellen Stand der Technik entsprechenden assistiven Technologien und Browsern ist sicherzustellen, soweit der hiermit verbundene Aufwand nicht unverhältnismäßig ist.
- Das Erscheinenlassen von Pop-Ups oder anderen Fenstern ist zu vermeiden. Die Nutzerin, der Nutzer ist über Wechsel der aktuellen Ansicht zu informieren.
Wenn Popup-Fenster verwendet werden, müssen sie sich auch ohne JavaScript als neue Fenster öffnen. Ein Icon, ein Text und ein entsprechendes alt- oder title-Attribut kündigen für Screenreader-Nutzer den Wechsel der Ansicht an. - Bei allen Formular-Kontrollelementen mit implizit zugeordneten Beschriftungen ist dafür Sorge zu tragen, dass die Beschriftungen korrekt positioniert sind.
Dazu wird ein <label> vor jedes Formelement gesetzt. Diese können dann gegebenenfalls durch Verschieben aus dem Viewport vor visuellen Browsern versteckt werden. In umfangreichen Formularen sind sie aber auch dort sehr sinnvoll.
Valider Code
Die zur Erstellung des Internetangebots verwendeten Technologien sollen öffentlich zugänglich und vollständig dokumentiert sein, wie z.B. die vom World Wide Web Consortium entwickelten Technologien.
- Es sind öffentlich zugängliche und vollständig dokumentierte Technologien in ihrer jeweils aktuellen Version zu verwenden, soweit dies für die Erfüllung der angestrebten Aufgabe angemessen ist.
- Die Verwendung von Funktionen, die durch die Herausgabe neuer Versionen überholt sind, ist zu vermeiden.
- Soweit auch nach bestem Bemühen die Erstellung eines barrierefreien Internetangebots nicht möglich ist, ist ein alternatives, barrierefreies Angebot zur Verfügung zu stellen, dass äquivalente Funktionalitäten und Informationen gleicher Aktualität enthält, soweit es die technischen Möglichkeiten zulassen. Bei Verwendung nicht barrierefreier Technologien sind diese zu ersetzen, sobald aufgrund der technologischen Entwicklung äquivalente, zugängliche Lösungen verfügbar und einsetzbar sind.
Kontextinformationen
Der Nutzerin/dem Nutzer sind Informationen zum Kontext und zur Orientierung bereitzustellen.
- Jeder Frame ist mit einem Titel zu versehen, um Navigation und Identifikation zu ermöglichen.
Von der Verwendung von Frames ist generell auch aus Usability-Gründen abzuraten. - Der Zweck von Frames und ihre Beziehung zueinander ist zu beschreiben, soweit dies nicht aus den verwendeten Titeln ersichtlich ist.
- Große Informationsblöcke sind mittels Elementen der verwendeten Markup-Sprache in leichter handhabbare Gruppen zu unterteilen.
Bei Formularen sollten Feldgruppen mit <fieldset> gegliedert werden. Lange Tabellen können in mehrere logische Teiltabellen unterteilt werden. - Beschriftungen sind genau ihren Kontrollelementen zuzuordnen.
Formularelemente werden mit entsprechenden <label> versehen. Diese müssen auch optisch dem entsprechenden Feld zugeordnet werden.
Navigationsmechanismen
Navigationsmechanismen sind übersichtlich und schlüssig zu gestalten.
- Das Ziel jedes Hyperlinks muss auf eindeutige Weise identifizierbar sein.
Gleichlautend verlinkte Texte sind zu vermeiden (zum Beispiel »Mehr …«). .2 Es sind Metadaten bereitzustellen, um semantische Informationen zu Internetangeboten hinzuzufügen.
Im <head> sollten Informationen über eine Seite bereitgestellt werden. Dabei steht das meta-Element sowie einige Dokumentationsstandards wie Dublin Core zur Verfügung. - Es sind Informationen zur allgemeinen Anordnung und Konzeption eines Internetangebots, z.B. mittels eines Inhaltsverzeichnisses oder einer Sitemap, bereitzustellen.
- Navigationsmechanismen müssen schlüssig und nachvollziehbar eingesetzt werden.
Verständlichkeit
Das allgemeine Verständnis der angebotenen Inhalte ist durch angemessene Maßnahmen zu fördern.
- Für jegliche Inhalte ist die klarste und einfachste Sprache zu verwenden, die angemessen ist.
Allgemein unbekannte Fachbegriffe und Abkürzungen sind zu vermeiden. Kurze Sätze erschließen sich besser als lange. Anstelle von fremdsprachigen Begriffen sollten ihre deutschsprachigen Entsprechungen verwendet werden.